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Log(down)-Buch: Tag 15

oder: Die Liebe in Zeiten des Corona

 

Spaziergänge: 589

Ideen für ein neues Trinkspiel: 1

Möglicherweise bestehende Alkoholprobleme: 1

 

Am Wochenende griff ich beim Weintrinken versehentlich zur Flasche neben dem Glas und bemerkte diesen Irrtum erst kurz vor dem Ansetzen. Ups.

Eine Botschaft des Unterbewusstseins? Immerhin liegen 14 Tage Quarantäne hinter uns. Zwei Wochen. Ungefähr ein halber Monat. Und wieder ist da diese Unvereinbarkeit von Zeit und Gefühl, denn wie fühlen sich zwei Wochen Urlaub an? Nicht wie die letzten zwei Wochen einer Schwangerschaft, nein, nicht mal wie ein halber Tag im Wartezimmer.

So sitze ich also nun seit 14 Tagen im Wartezimmer, sehnsüchtig auf folgenden Aufruf wartend: „Frau Nieber, bitte. Einmal zurück ins Leben, die dritte Tür, links.“

Aber ich gebe die desinfizierte, trockene Hand darauf: Ich habe bestimmt seit einem halben Jahr keine Freundin umarmt. Seit einem gefühlten halben Jahr gleicht Einkaufen einer Odyssee; für das, was ich normalerweise für die kommende Woche in ein bis zwei Geschäften kaufe, klappere ich im Stop-and-Go-Modus nun vier bis fünf Geschäfte ab und bekomme Dreiviertel der benötigten Dinge.

 

Und seit einem gefühlten halben Jahr sind Schlagzeilen und Nachrichten von einem Virus befallen.

Deswegen ziehe ich in Erwägung, ein neues Trinkspiel patentieren zu lassen: Man schaltet einfach wahllos den Fernseher ein und wann immer man auf die Worte „Corona“, „Covid“ oder „Virus“ stößt, trinkt man einen Shot. Leseratten können dies auch mit Zeitungen oder Online-Nachrichten spielen. In der Erweiterungsversion werden die Worte „viral“, „Abstand“ bzw. „social distance“, „Lock down“ und „Krise“ mit einbezogen. Ich nenne es „Shot up“. Das Tolle daran ist, dass dieses Spiel trotz der derzeitigen Situation, per Skype oder Zoom mit anderen Mitspielern gespielt werden kann. Das Spiel ist geeignet ab 18 Jahren und die Spieldauer ist unbegrenzt. Für eine spannendere Variante, wird vorher gewettet, wer der voraussichtliche Gewinner sein wird. Als Einsätze gelten Klopapierrollen (alternativ: Mehl, Nudeln oder Hefe), die der Gewinner später auf dem Postwege erhält. Vielleicht entwickele ich noch eine Brettspielversion davon, wenn ich zwischen den Einkäufen dazu komme.

 

Das Homeschooling ist jetzt auch beendet. Juhuuu! In zwei Wochen fängt die Schule wieder an – vielleicht! Und weil das Wetter auch weiß, dass nun Ferien sind, sind statt 13 Grad und Sonne (wie die ganze letzte Woche) heute 7 Grad und (Schnee-)regen. Herrlich. Wie folgerte einst Alanis Morissette: „Isn ´t it ironic?“ Habe beschlossen, dass mich der Song die nächsten Tage begleiten wird. Vielleicht stelle ich mich ans Fenster und singe ihn laut, um ein bisschen italienisches Flair in ein kleines, norddeutsches Dorf zu zaubern. Möglicherweise spiele ich vorher eine Runde „Shot up“.

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Kommentare: 1
  • #1

    Tamara (Montag, 30 März 2020 19:32)

    Ich liiiiiiebe es... danke.... du hast mich sehr gut unterhalten und ich habe viel gelacht.... lg